Bloss nicht vermenschlichen!

 

Du darfst ihn nicht vermenschlichen! Bloss nicht!

  

Es werden einem viele blöde Sätze um die Ohren gehauen, wenn man sich im Hundekosmos umhört…. Dieser hier ist ein Klassiker… 

 

Was würde es denn heissen, den Hund zu vermenschlichen? Menschlichkeit – Mensch sein – was macht das denn aus? 

 

Wir Menschen wünschen uns, vom Gegenüber gesehen zu werden. Mit Respekt behandelt zu werden und mit Empathie – das wäre schon toll.

 

Die ganzen Werte für ein soziales Miteinander sind im Begriff Menschlichkeit/Humanismus vereint. Jeder Mensch hat seine Würde und verdient es, achtsam und in seinem ganzen Wesen angenommen zu werden.

Sie wissen, wie es geht – viele Menschen sind Humanisten und versuchen, gerade in Zeiten wie diesen – ihren Teil zu einer sozialen Gesellschaft beizutragen; wo jeder sein kann, wie er ist und wo man freundlich miteinander umgeht und auf die Zeichen des Sozialpartners achtet. 

 

Man ist menschlich im Umgang miteinander. Im Idealfall…

 

 

Man darf den Hund nicht vermenschlichen.

Und was wäre denn so falsch daran, den Hund zu „vermenschlichen“? –

im Sinne von: ihn zu behandeln wie einen Menschen?

 

Hat der Hund (und auch die Katze, die Schildkröte… sie wissen schon…) nicht auch genau das verdient?

Dass man auf die Signale und die Sprache achtet, mit der der – in dem Falle vierbeinige Freund – kommuniziert? Dass man seine Bedürfnisse kennt und achtet?

Dass man ihn erkennt in seinem Wesen und anständig und respektvoll mit ihm umgeht? 

 

Wenn man die Seite der Medaille so anschaut, dann wird die Beziehung gold glänzend. Denn nur so kann ein soziales Miteinander entstehen. 

 

Wer heute noch mit Erziehungsmethoden wie vor 40 Jahren seinen Hund erzieht und meint, er muss ihm stetig und mit Vehemenz seinen Willen aufdrücken – der ist sowas von gestern. Es reicht nicht, das Wort autoritär gegen aversiv zu tauschen und dann macht man - neu verpackt - einfach so weiter wie bisher.

 

Wir wissen heute mittlerweile so viel mehr über die Hunde. Es gibt viele gute Kynologen, die schon vor Jahrzehnten erklärt haben, wie die Hunde mit uns kommunizieren, was sie brauchen und was für sie wichtig ist. 

 

Es ist keine Schande, wenn man kein „hündisch“ kann, wenn man den ersten Hund bekommt.
Es ist eine Schande, wenn man als Mensch keine Fremdsprache lernen möchte und denkt – ich Chef – du weniger! 

 

Dogmatische „so geht’s richtig-Regeln“ werden uns an jeder Ecke um die Ohren gehauen. Die Fronten sind oft verhärtet und wer nach System X seine Erziehung ausrichtet, kriegt Hohn und Spott von denen, die ja schon 30 Jahre lang wissen, wie der Hase läuft. Oder der Hund in dem Fall.

Oder eben nicht läuft, weil er muss ja kadavergehorsamsmässig 20 Minuten im Platz auf dem Boden liegen – weil ich das ja verlangen kann…Ich bin ja der Chef. Hat es geheissen. 

Hier wäre das vermenschlichen halt schon wunderbar – im Sinne von:

ich gehe mit meinem Hund so um, wie ich gerne auch im Umgang von meinen Mitmenschen behandelt werden möchte. 

 

Und nein, das hat gar nichts damit zu tun, dass der Hund alles darf und man keine Führung vorgibt als Hundehalter. Sicher nicht!
 

Ich darf und muss sogar meinem Hund sagen, was ich von ihm möchte und Stopsignale gilt es, aufzustellen. Aber: der Ton macht die Musik und ich kann den Weg mit meinem Hund genau so freundlich und achtsam gehen, wie ich es selbst gerne hätte. Ich bin trotzdem derjenige, der den Ton angibt und die Richtung bestimmt. Aber meinem Hund darf es dabei gut gehen. Ich achte auf seine Signale. 

Sie haben auch lieber einen Chef, der Ihnen die zu erledigenden Aufgaben freundlich und in normalem Ton auf den Schreibtisch legt.

 

Arbeiten müssen Sie trotzdem, aber sie fühlen sich nicht klein und geknechtet dabei. Sondern gewertschätzt und respektiert.

keine Vermenschlichung vom Hund

Nur weil er der Chef ist und sie Ihr Gehalt von ihm kriegen, muss er den Aktenstapel noch lange nicht auf ihren Tisch knallen und rumkra-keelen. Könnte er. Theoretisch.

Er ist ja der Chef. Dann wär’s halt ein armes Würstchen, menschlich gesehen und sie hätten null Lust, am Feierabend mal ein Bier mit ihm zu trinken. 

 

 

Das Kind, was vor der ersten Gondelbahnfahrt höllisch Angst hat, das unterstützen wir auch mit einer guten Überlegung und Planung im Vorfeld vor dieser Bergbahnfahrt.
Wie kriegen wir es hin, dass es keine Angst haben muss, wir ihm die Sicherheit geben und dass das Erlebnis ein Gutes wird?
Klar, Sie können das Kind auch zusammenstauchen, es soll sich nicht so anstellen, dann schubsen sie es in die Gondel und gut ist. Geht sicher. Ist halt Sch… 

 

Und der Hund? Traut er sich in der Hundeschule nicht auf ein Podest? Warum auch immer? Dann ziehe ich sicher nicht an der Leine und wenn das auch nicht hilft, packe ich ihn und stell‘ ihn drauf – weil: der muss das halt! 

 

So entsteht kein Vertrauen und an so jemanden lehne ich mich weder als Menschen, noch als Hund (oder als Katze oder als Schildkröte – sie erinnern sich…) an. Der kann mich mal! Der bügelt mich ja dauernd über. 

 

Die duldsamen Seelen fügen sich und man sieht ihnen körpersprachlich so gut an, dass es ihnen grad total unwohl ist.

Der Ignorant wollte ja kein hündisch lernen, der sieht das nicht.

Wer Fremdsprachen kann, weiss, dass hier gerade Grenzen überschritten worden sind. Und die haben eben auch Tiere. Auch hier gibt’s keine Freifahrtscheine für Grenzüberschreitungen. 

Wie ich durch’s Leben gehe, bestimme ich selber. Und welchen Werten ich folge, das ist auch meine ganz eigene Entscheidung.

 

Ich kann Humanist sein und täglich versuchen (gelingen tut dies wahrscheinlich nicht einmal dem Dalai Lama, wurst, versuchen muss man es. Täglich.) mein Bestes zu geben und achtsam zu sein mit Menschen und Tieren, die mir im Alltag begegnen. 

 

Und diejenigen, die mir anvertraut sind - Kinder und Tiere – die kann ich wunderbar vermenschlichen, weil ich hier die selben Massstäbe habe, wie ich ich gerne Sozialkontakte hätte. 

Das schliesst nicht aus, dass ich führe – ganz im Gegenteil. 


Kinder und Hunde (bei den Schildkröten bin ich mir nicht so ganz sicher) brauchen Leitplanken und Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Sozialpartner, die Sicherheit vermitteln und die freundlich, aber klar sagen, wie was wo warum - die werden gebraucht. Diese finden aber in der Umsetzung Möglichkeiten, dem Gegenüber gerecht zu werden. Denn darum geht es – nicht ungerecht zu sein. Respektvoll und sehend. 

 

Das Kind kann Brokkoli nicht ausstehen? Dann isst es vielleicht Erbsen.

Der Hund will sich nicht ins Platz legen auf dem nassen kalten Hundeplatz? Dann nehmen sie doch eine Decke mit, wenn‘s für die Übung unabdingbar ist… Ansonsten: legen Sie sich doch gerne mal 20 Minuten bäuchlings ins kalte nasse Gras… aha? Merken Sie es?

  

Aufs eigene Bauchgefühl zu hören und den ganz normalen und eigentlich selbsterklärenden gesellschaftlichen Regeln für ein gutes Miteinander zu folgen, es wäre eigentlich ziemlich einfach.


Da brauche ich keinen Hundeguru oder eine 20teilige Webinar-Reihe von einem Hundecoach. Es braucht nur Empathie und ein „wissen wollen“ und die Fähigkeit, sich auf das Gegenüber einzustellen. 

Dann können sie in jedwelcher Sprache kommunizieren, menschlich oder hündisch oder schildkrötisch– egal, es ist rund.

 

 

 

 

Solange uns die Menschlichkeit miteinander verbindet, ist es völlig egal, was uns trennt.
(Zitat Ernst Ferstl)

 

 

 

Und: wie Hape Kerkeling so schön sagte:

 

Behandeln Sie Ihr Haustier am besten so, dass Sie im nächsten Leben ohne Probleme auch mit vertauschten Rollen klarkommen.